13 – 17 Uhr?? Ein ganzer Samstagnachmittag?!? Aber ich bin neugierig, also radle ich los.

Als ich in unseren Gottesdienstraum komme, die erste Überraschung: Statt einer Handvoll Getreuer sitzen gut 60 Menschen dort und folgen interessiert den Ausführungen unseres Pastors Volker Schmidt zur Geschichte des Baptismus.

In der daran anschließenden Fragerunde wird – nächste Überraschung – nicht nur an der Oberfläche gekratzt. Unsere Gäste interessieren sich nicht nur für unsere Strukturen, sondern fragen auch nach unserem Glaubensziel. Richtig schön zu merken, dass alles Hand und Fuß hat ?

Nach einem Blick ins Taufbecken und einem Glas Sprudel (bei dem Wetter wäre es im heimischen Garten auch ganz hübsch), wandern wir gemeinsam zur Neuapostolischen Gemeinde am Kelterplatz.

Sieht ja aus wie in einer Baptistengemeinde! Nur vielleicht ein wenig steriler. Und der eher moderne Gottesdienstraum wird dominiert von einer klassischen Pfeifenorgel! Ich bin gespannt, was sie denn nun glauben. Doch der Gemeindeleiter hält sich an eher vage Aussagen, und die 15 Minuten, die jedem Veranstaltungsort zur Selbstdarstellung zugestanden sind, werden von einem tonlosen Video über eine Jugendfreizeit dominiert. Schade. Die Fragerunde ist daraufhin viel zu kurz. Dafür gibt es noch die Möglichkeit, keks­chenknabbernd (inzwischen ist Kaffeezeit) einen Blick in die Gruppenräume zu werfen.

Auf dem Weg zur Moschee in der Markgröninger Straße ergibt sich die Gelegenheit, einige meiner Fragen bei einer jungen Neuapostolischen loszuwerden. Glatt noch besser als ein Vortrag!

Schwupps stehen wir in der Schlange vor der Moschee, denn es heißt zunächst: Schuhe ausziehen. Hinter der wenig aussagekräftigen Fassade liegt eine andere Welt: Arabische Kalligraphie an der Wand, Kronleuchter an der Decke und Ornamente aus 1001 Nacht im leuchtend blauen Teppich auf dem Fußboden. Zwar darf man sich auch einen Stuhl nehmen, aber den Teppich muss ich ausprobieren!

Der Vorsteher der Moschee entpuppt sich als Ingenieur bei Daimler, der aus ganzem Herzen „einfach nur“ seinen Allah verehren will. Ich höre ihm zu, wie er seine eigene Angst vor salafistischem Einfluss zum Ausdruck bringt, spüre seine Freude darüber, dass er in unserer Runde „einfach mal“ erklären darf, wie sie in dieser Moschee ihren Glauben verstehen und überlege, wie es wäre, wenn der lebendige Gott ihm begegnete. Natürlich ist die Dreiviertelstunde besonders hier viel zu kurz. Für den weiteren Weg gibt es einen Becher Ayran und auf geht’s ein paar Häuser weiter zur katholischen St. Antonius-Kirche.

Die Schar der Spaziergänger ist inzwischen etwas geschrumpft, auch ich hatte überlegt, mich an dieser Stelle zu verabschieden, doch auf dem Weg habe ich Gelegenheit, einer Journalistin, die erst bei den Neuapostolischen zu uns gestoßen war, die Grundzüge des Baptismus und ein klein wenig Basiswissen über das Wesen einer Freikirche zu vermitteln. Und das mache ich natürlich gerne ?

Die Einführung in St. Antonius kommt von einem afrikanischen Gemeindemitglied, der ziemlich bald von auskunftsfreudigen katholischen Spaziergängerinnen unterstützt wird. Hier wie bei uns kommen sehr viele Fragen vom Vorsteher der Moschee, der nicht als einziger Moslem an allen Stationen dabei war. Und ich frage mich, ob dieser Spaziergang wohl ihre erste tiefere Begegnung mit engagierten Christen ist?

Der gemeinsame Abschluss findet auf dem Emil-Schuler-Platz vor der Eisdiele statt. Wir stehen im Kreis, hören Worte aus einer christlich-muslimischen Vereinbarung deutscher Dachverbände zum friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft und zeigen somit in der Öffentlichkeit, dass wir genau dazu unterwegs waren: Dem Frieden mit Jedermann nachzujagen. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Ich bedanke mich bei Stella aus der Neuapostolischen Gemeinde für das tolle Gespräch, verabschiede mich von den Senioren, die uns in der Moschee so freundlich begrüßten, wechsle noch drei Worte mit den Katholiken, die ich schon von anderen Begegnungen kenne, laufe drei Schritte mit einer Dame aus der Pauluskirche, die mich ihrerseits erkannt hat – und gehe dann mit Thomas „nach Hause“. Bereichert, beschenkt und mit dem Eindruck, Menschen begegnet zu sein, mit denen ich etwas ganz Wesentliches teile: Sehnsucht nach Gott.

Birgit Seitzinger-Henke