Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

joomplu:916Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.

Johannes aber, er blickt ganz auf den sterbenden Jesus. Und er kann erkennen, dass ausgerechnet in diesem grandiosen Scheitern und in diesem unerhört demütigenden, qualvollen menschenunwürdigen Sterben der allergrößte Triumph liegt, der jemals denkbar ist, der Sieg der unfassbar großen Liebe Gottes zu seinen über alles geliebten Geschöpfen! Johannes blickt auf den sterbenden Christus und kann bezeugen, was seitdem die Welt unaufhaltsam verändern wird und dass durch keine Macht dieser und jenseits dieser Welt mehr umzukehren ist: es ist vollbracht!

Das Wort im biblischen Urtext beschreibt dabei, dass etwas vollendet ist, dass das Ziel erreicht ist, dass sich etwas erfüllt hat. „Vollbracht“ meint: es ist nun wirklich fertig, ganz und gar zu Ende gebracht, es fehlt auch kein kleinster Handschlag mehr, es ist wirklich perfekt! Vollbracht!

Da hängt ein Mensch am Kreuz. Er wurde verspottet, gefoltert, gequält. Alles, was ihn demütigen konnte, wurde ihm zugefügt. Zu schwach zu jeglicher Gegenwehr, zu ausgelaugt, sterbend! Jedem vernünftig denkenden Menschen musste doch klar werden: dieser Jesus ist mit seiner Mission gescheitert. Gut gemeint hat er‘s, aber am Ende ist doch gar nichts Gutes daraus geworden. Der Sachverstand sagt, es hat nicht sollen sein. Da ist etwas nicht gelungen. Da hat sich das Gewollte ins Gegenteil verkehrt.

Wie oft urteilen wir Menschen so? Wie oft beurteilen wir die Dinge nur nach Augenschein? Wie oft meinen auch wir, klar erkennen zu können, ob und wann eine Sache oder gar ein Mensch gescheitert sind? Unsere urteile können dabei so vernichtend sein, so lieblos, so herzlos abgebrüht – meist mit solch „netten“ Zusätzen versehen wie: Ich hab’s doch gewusst! Hätte man mal auf mich gehört! Hab ich doch wiedermal recht behalten. Die Zyniker unterm Kreuz beurteilen‘s ebenso.

Gegen all diesen Zynismus also, gegen allen Spott und Hohn, gegen all die Reden, die Menschen und ihre Absichten von vornherein zum Scheitern verurteilen, gegen all diese Arroganz der Macht, gegen all diese Besserwisserei und Überheblichkeit also, setzt der sterbende, der leidende, der dennoch überwindende Christus sein: Es ist vollbracht!

Gott selbst ist das Opfer für alle Schuld aller Menschen. So zieht er den Hass, die Gleichgültigkeit, das Verurteilen und Verletzen auf sich und beweist gerade so seine unendliche Liebe zu uns Menschen. Voller Geduld, voller Güte, voller Barmherzigkeit! Gerade so vollbringt und vollendet er das Werk der Erlösung!

Wie sehr finden also auch wir, die Verletzten, die Verurteilten, die Schuldiggewordenen, aber auch wir die Besserwisser, die Verurteiler, die Schuldigwerdenden - wie sehr finden wir also alle zusammen bei ihm Erlösung und Heil! Vergebung und Versöhnung! Neuanfang gegen allen Anschein! Dass etwas von diesem Glanz jeden Tag neu in unsere Leben fällt, wünscht

euer Pastor Volker Schmidt