Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

Matthäus 2,10

book-1209805_400„Das steht in den Sternen.“, sagt man, wenn man auf Fragen nach kommenden Dingen keine Antwort weiß. „Das steht in den Sternen.“, sagt man, wenn man nicht weiß, wie manches werden wird oder soll. So weit weg, wie die Sterne, so weit weg ist eine Antwort. Sternchen hingegen sieht man, wenn man das unmittelbar vor einem stehende Hindernis, zum Beispiel eine Glastür, übersieht und mit dem Kopf dagegen läuft. Je nach Heftigkeit des Stoßes werden aus Sternchen dann auch schon mal Sterne. Diese sprichwörtlichen Sterne kommen also ins Spiel, wenn einem ein Ding zu nahe kam. Beides entdecke in der Erzählung des Evangelisten Matthäus von den Weisen aus Arabien.

Sie waren Wissenschaftler, die die Geheimnisse des Lebens, der Erde und des Universums erforschten. Sie waren Ärzte und Physiker in einem, sie konnten anhand von Symptome Krankheiten erkennen und anhand des Standes der Gestirne am Himmel die Uhrzeit lesen. Sie konnten die Phänomene des Wetters deuten und Menschen raten, was zu tun und was zu lassen sei. Das dies alles nicht unseren Standards entsprach, liegt auf der Hand. So glaubte man, dass jedem Menschen ein Stern zugeeignet sei. Wird ein Mensch geboren, geht ein Stern mit ihm auf. Stirbt er, vergeht auch sein Stern. In diesen Glauben hinein leuchtet ein neuer Stern so unübersehbar hell, dass sich die Weisen, die übrigens weder zu dritt unterwegs waren, noch Melchior, Balthasar und Caspar hießen, auf die Suche nach dem begaben, der zu diesem Stern gehören musste. Sicher musste es ein König sein, so hell wie sein Stern aufging!

Wie stark kann ein Glaube sein, der sich nach meinen Vorstellungen und Überlegungen doch eher als ein falscher Glaube darstellt? Ich glaube nicht an die Sterne. Im Gegenteil. Ich lächle leicht überheblich über Menschen, die sich in ihren Entscheidungen und Wegen an den Sternen orientieren. Solcher Glaube scheint mir doch zu albern. Den Menschen aus dem damals hochzivilisierten heutigen Irak oder Iran – für den Juden Matthäus war dies das Morgenland – war es viel mehr als alberner Glaube. Es war ihre starke Lebensbasis und deswegen begaben sie sich auf ihre Reise. Vielleicht ist ein Glaube, der zum richtigen Ziel führt, dann doch gar nicht so falsch?

Kurz vorm Ziel aber sehen die Weisen keinen Stern mehr, sondern nur noch Sternchen. Mit dem Kopf gegen die bildliche Glasscheibe gerannt, obwohl doch alles so klar und eindeutig schien: ein neuer König wird im Königshaus geboren, logisch. Dort aber brach pures Entsetzen aus. Der König hatte doch schon alle potentiellen Konkurrenten umbringen oder in die Verbannung schicken lassen, hatte er doch einen übersehen? Und wieder geschieht etwas mich Irritierendes. Aus – nach meinem Verständnis von Bibellesen - völlig falschen Motiven heraus beginnen die Staatsdiener des Herodes, die Schriften zu erforschen. Und sie entdecken Wahres. Das Wort gibt ihnen Antwort. Das Wort wird ihnen zum Weg – auch wenn Herodes die völlig falschen Schlüsse aus dem zieht, was er anhand des Wortes erkannt hat.

Den Weisen aber geht der Stern wieder auf. Nach Sternchen sehen sie nun den einen Stern wieder und der geleitet sie sicher zum Ziel. Die Begegnung mit dem Heiland der Welt, mit dem Christus, dem Gesalbten Gottes führt sie in die Anbetung. Und wir lesen von der ersten Kollekte in neutestamentlicher Zeit.

Manches steht auch für uns noch in den Sternen, an anderem haben wir uns schon die berühmten Sternchen geholt, weil wir auf scheinbar Unüberwindliches stießen. In Beidem dürfen wir glauben und wagen, dass „unser Stern“ uns zu Christus führt, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, dem Weg und Ziel unseres Lebens.

Eine fröhliche und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünsche ich euch allen,

Euer Volker Schmidt