Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.

2. Samuel 7,22

joomplu:844

Ich gebe zu, so richtig wusste ich nicht, was im 7. Kapitel des 2. Samuelbuches steht. Beim Aufschlagen der Bibel aber und dem Lesen der Überschrift war klar: den Text kenne ich. Eine rührende kleine Geschichte von König David, der Gott gern ein Haus bauen möchte, weil er als König doch so prachtvoll lebt, während „die Lade Gottes unter Decken haust“. Nathan, das für Davids Anliegen zuständige Sprachrohr Gottes – so ein Privatprofet hat schon was –, erläutert dem zielstrebig aufsteigenden und äußerst machtambitionierten König den Plan Gottes: Nicht er, David, solle den Tempel bauen, sondern dem ihn auf den Thron folgenden Sohn, sichtbarer Ausdruck der gegründeten Dynastie, würde diese Aufgabe zufallen. Dass dieser Sohn Frucht eines - aufgrund eines Ehebruchs begangenen - Mordes sein würde, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Überhaupt scheint Davids Welt noch in Ordnung. Die die Großfamilie Davids einholenden selbstverantworteten katastrophalen Ereignisse, die sich wie ein moderner Thriller lesen und alle Spielarten von Intrigen beinhalten und selbst vor inzestuöser Vergewaltigung und Mord nicht zurückschrecken, scheinen zu diesem Zeitpunkt undenkbar. David trägt die Absage seiner Baupläne mit Fassung. Vielleicht war er sogar erleichtert, dass diese unendlich große Aufgabe mit all ihren Herausforderungen ihm erspart blieb. Mit all den vielen hinter und noch vor ihm liegenden Kriegen hatte er ja auch wahrlich genug um die Ohren.

Im Abspann des dialogischen geschilderten Geschehens aber kommt David ins Staunen: „Wer bin ich, dass du so gnädig mit mir umgehst? Was soll ich eigentlich sagen, wo du doch die Dinge kennst?“ (2.Sam 7,18 u. 20) Im Wissen um eigene Schuld und angesichts mancher Unmöglichkeit, so zu leben, wie es doch fromm und ideal wäre, hält David schon beinahe bestürzt inne. Wie kann das sein, dass Gott trotzdem so gnädig ist?! Wie kann das sein, dass er dennoch Schuld vergibt?! Wie kann das sein, dass Gott über Bitten und Verstehen Perspektive und Zukunft schenkt?! Und David erkennt: „Gott, um deines Wortes willen und nach deinem Herzen hast du alle diese großen Dinge getan.“ (2.Sam 7,21) Das Handeln Gottes macht sich nicht abhängig von der Schuld eines Menschen. Das Handeln Gottes lässt sich von Versagen und unedlen Motiven nicht unterbinden. Gottes Herz ist größer als all das, was ein menschliches Herz umfassen kann. Auf einmal geht es gar nicht mehr um den Bau eines Tempels, geht es gar nicht mehr um Macht und Besitz, geht es gar nicht mehr um persönliche Siege und Niederlagen. Auf einmal rückt Gott selbst in des Königs Blick. Und David erkennt: Darum bist du groß, Herr HERR! Denn es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unseren Ohren gehört haben. (2.Sam 7,22) Warum die Auswählenden von Bibelworten für Monatssprüche den zweiten Satzteil einfach weglassen, ist mir ein Rätsel, denn gerade die Aussage „nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben“ ist mir Hilfe und ein Schlüssel zum Verstehen des Textes.

Denn ich tue mich schwer damit, all die Gewalt und all die Kriege und all den Missbrauch, all die Schrecklichkeiten, die so selbstverständlich und beinahe belanglos naiv in den König David-Geschichten geschildert werden, als wirklich gottgewollt und von Gott legitimiert zu erachten. Nein, so ist Gott nicht. Und das ahnt auch David. Mittendrin in seinem Leben hält er inne und fragt: „Wer bin ich, dass du so gnädig mit mir umgehst? Was soll ich eigentlich sagen, wo du doch die Dinge kennst? Und wer bist du Gott? Du bist groß, Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unseren Ohren gehört haben.“ nach allem, was wir mit unseren Ohren gehört haben. Es gibt den einen fertigen umfassenden Blick auf Gottes Größe und Heiligkeit, auf Gottes Erbarmen und Gnade nicht, nicht für einen Menschen. Wir erleben in unseren Biografien Wirklichkeiten Gottes so, wie er sich uns naht. Damit entzieht sich mir die Möglichkeit, Gotteserfahrungen anderer Menschen beurteilen und Gottesbeziehungen anderer Menschen bewerten zu können.  Gott ist mir groß, Gott ist mir gnädig, Gott liebt mich unendlich und barmherzig! Das bleibt mir lebenslang Wunder und Grund zum Staunen genug, bringt mich zu Gott in Beziehung, lässt mich staunen über Liebe Jesu zu mir, und das, obwohl er mich kennt, was für ein Wunder!

Euer Pastor Volker Schmidt