Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Prediger 3,11-13

book-1209805_400Ein jegliches hat seine Zeit … mit dieser wunderschönen Formulierung lässt die Lutherbibel die wohl bekanntesten Worte des Predigers beginnen. Den Titel „Kohelet“ trägt das Buch in den hebräischen Schriften: „Sammler“. Versammler von Menschen könnte gemeint sein oder auch Sammler von Sprüchen. Die erstere Deutung führte zum deutschen Titel „Prediger“. Aber der „Prediger“ predigt gar nicht so viel, viel mehr sinnt er über das Leben und die Dinge des Lebens nach. Mit bisweilen sehr pessimistischer Sicht auf dieses. Resignierend stellt er fest, dass es ja doch gar nichts Neues mehr unter der Sonne gäbe, dass ihn noch überraschen oder gar begeistern könne. Ein Mensch, der voller Neugier auf das Leben und mit Entdeckeraugen durch die Welt Gottes geht, hört sich anders an.

Der Prediger ist ein scharfzüngiger Beobachter des Lebens und versteht es meisterhaft, die kleinen alltäglichen Kuriositäten und Sonderlichkeiten sprachlich genial auf den Punkt zu bringen. Loriot hatte in ihm seinen Meister gefunden. Wer anderen eine Grube gräbt, steht in Gefahr selbst hineinzufallen, sagt er, als sprachlich verknapptes Sprichwort „… fällt selbst hinein“ im Deutschen seit Jahrhunderten ein Klassiker. Er liebt das Leben und … man sehe mir die saloppe Formulierung nach … die Frauen. „Zweisamkeit ist besser als Einsamkeit“ tönt es laut in seinen Reden. Allerdings scheint er nicht immer ein glückliches Händchen in der Wahl seiner Partnerinnen gehabt zu haben, denn er kann auch ächzen: „Bitterer als der Tod ist das Weib.“ (7,26) in allem nimmt er sich selber nicht zu wichtig und weiß um die Begrenzungen menschlichen Wissens und Strebens, das lässt ihn selbstironisch schreiben: Sei nicht zu fromm, und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! (7,16).

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!

Hosea 10,12

bible-1031288_400Von den sogenannten kleinen Profeten ist neben Amos und Jona das Buch Hosea vielleicht das bekannteste, verbindet doch der kundige Bibelleser den Namensträger gleich mit dessen zwangsangeordneter dramatischen Ehe mit einer Prostituierten.

Hosea wirkte im Nordreich. Die Geschichtsbücher des Alten Testamentes nennen so den 10-Stämme-Verband, der sich nach der Regierungszeit Salomos zuerst verwaltungstechnisch, später politisch und militärisch von verblieben südlichsten Stamm, Juda, löste. Die Trennung war sozial und wirtschaftlich begründet, Auslöser waren Zwangsarbeitsgesetze, die alle Stämme zu Arbeit in Juda verpflichteten. Das Nordreich, auch Israel, genannt, bildete eigene politische Strukturen und setzte eigene Herrscher ein. Im Südreich blieb die judäische David-Dynastie bis zum Untergang des Staates Juda an der Macht. Viel eher aber als der Staat Juda kam das Nordreich ins Schlingern. Heterogen und von verschiedensten Interessen zerrieben, wurde es immer wieder zum Spielball der Machtinteressen verschiedener Stammesfürsten. Anders als das meist von Wüstenregionen umgebene Juda grenzte das Nordreich an aufstrebende und mächtige Nachbarn. Kollaborationen mit diesen waren an der Tagesordnung und auch das religiöse Leben vermischte sich mehr und mehr. Zunehmender Wohlstand ließ die Stämme in Konkurrenz treten, die Interessen einzelner Verbände konnten immer weniger ausgeglichen werden und gipfelten in bürgerkriegsähnliche Konflikte z. B. darum, welche Stadt die Hauptstadt des Staates sein solle. Expansionskriege israelischer Nachbarn gefährdeten das Nordreich, denn es zeichnete sich ab, dass diese auch vor den Grenzen des bisherigen politischen Freundes nicht Halt machen würden.

In diese Situation hinein spricht Hosea seine Botschaft, die im Kern die zunehmende Gottlosigkeit und den Abfall von dem einen wahren Gott Israels anprangert. Hosea spricht Worte Gottes. Sie warnen, sie werben, sie versuchen zu gewinnen, sie künden von Gericht und Untergang. Und sprechen von Umkehr und der Chance vom Neuanfang.

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

bible-2167778_400Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.