Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!

Hosea 10,12

bible-1031288_400Von den sogenannten kleinen Profeten ist neben Amos und Jona das Buch Hosea vielleicht das bekannteste, verbindet doch der kundige Bibelleser den Namensträger gleich mit dessen zwangsangeordneter dramatischen Ehe mit einer Prostituierten.

Hosea wirkte im Nordreich. Die Geschichtsbücher des Alten Testamentes nennen so den 10-Stämme-Verband, der sich nach der Regierungszeit Salomos zuerst verwaltungstechnisch, später politisch und militärisch von verblieben südlichsten Stamm, Juda, löste. Die Trennung war sozial und wirtschaftlich begründet, Auslöser waren Zwangsarbeitsgesetze, die alle Stämme zu Arbeit in Juda verpflichteten. Das Nordreich, auch Israel, genannt, bildete eigene politische Strukturen und setzte eigene Herrscher ein. Im Südreich blieb die judäische David-Dynastie bis zum Untergang des Staates Juda an der Macht. Viel eher aber als der Staat Juda kam das Nordreich ins Schlingern. Heterogen und von verschiedensten Interessen zerrieben, wurde es immer wieder zum Spielball der Machtinteressen verschiedener Stammesfürsten. Anders als das meist von Wüstenregionen umgebene Juda grenzte das Nordreich an aufstrebende und mächtige Nachbarn. Kollaborationen mit diesen waren an der Tagesordnung und auch das religiöse Leben vermischte sich mehr und mehr. Zunehmender Wohlstand ließ die Stämme in Konkurrenz treten, die Interessen einzelner Verbände konnten immer weniger ausgeglichen werden und gipfelten in bürgerkriegsähnliche Konflikte z. B. darum, welche Stadt die Hauptstadt des Staates sein solle. Expansionskriege israelischer Nachbarn gefährdeten das Nordreich, denn es zeichnete sich ab, dass diese auch vor den Grenzen des bisherigen politischen Freundes nicht Halt machen würden.

In diese Situation hinein spricht Hosea seine Botschaft, die im Kern die zunehmende Gottlosigkeit und den Abfall von dem einen wahren Gott Israels anprangert. Hosea spricht Worte Gottes. Sie warnen, sie werben, sie versuchen zu gewinnen, sie künden von Gericht und Untergang. Und sprechen von Umkehr und der Chance vom Neuanfang.

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Hebräer 13,2

Engel haben Hochkonjunktur. Spätestens mit der Band „Real Life“, die 1983 den Pop-Welthit „Send me an Angel“ schmetterte, wünschen sich millionenfach Menschen engelhafte Weggefährten. Und mancher denkt dabei ganz im Sinne des Pophits auch an Marlene Dietrich, die selbiges Wesen bereits 1937 in einem Film verkörperte. Engel sind „in“ als Handschmeichler, als Postkartenmotive, als kleine Standfiguren auf heimischen Klavieren, als Schnee-Engel natürlich und unzählbar oft als Pop-Art Motive. Ein kleiner Test in einer Internetsuchmaschine allerdings erstaunte mich: ich bekam als Erstes ein Bild von Friedrich Engels geliefert, was aber – wie sich schnell herausstellte, an einem Tippfehler meinerseits lag.

Und nun also: Engel beherbergen. Mir fallen biblische Geschichten ein, in denen berichtet wird, was passierte, als Menschen Engel beherbergten, ohne dies zu ahnen. Drei Männer besuchten Abraham zur Mittagszeit und natürlich nimmt dieser diese drei als Gäste in sein Haus. Gastfreundschaft pur. Im Laufe des Smalltalks aber wird es ungeheuerlich, dem alten Mann wird gesagt, dass er bald Vater würde, was bei seiner ebenfalls hochbetagten Ehefrau Sara, die heimlich lauschte, zu Lachkrämpfen führte. Und obwohl die Geburt eines Kindes immer etwas sehr Schönes ist, hatten sich das weder Abraham noch Sara noch Hagar so vorgestellt. Nachzulesen in 1.Mo 18. Nur ein Kapitel weiter die erdrückend düstere und rätselhafte Geschichte von Sodom, die – nicht zu überlesen! – ausgerechnet mit Gastfreundschaft gegenüber zwei Engeln begann! Dann lieber doch keine Engel beherbergen, oder?

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Luther 2017)

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. (Einheitsübersetzung 2016)

Hebräer 11,1

four-leaf-clover-3336774_400-1Wie ist es mit dem Glauben? Was ist Glaube? Was glaubst du? Wie kann dein Glaube dich tragen? Wer von einem Menschen, der ohne religiösen Unterbau oder spirituellem Wissen sein Leben gestaltet, solche Fragen gestellt bekommt, weiß, wie schwer es ist, eine vernünftig klingende oder gar überzeugende Antwort zu geben. Erkläre mal jemanden, was es heißt, zu glauben, wenn die Person von sich sagt, dass sie nicht glaubt und offensichtlich auch ganz gut ohne Glauben leben kann. Wenn es also um die substantiellen Fragen geht, helfen keine platten Hilfskonstrukte mehr. Und nebenbei, ich kenne keinen, der mit mir ernsthaft über den Glauben im Gespräch war und dabei meinte, er glaube nur, was er sähe.

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

bible-2167778_400Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.