Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Hebräer 13,2

Engel haben Hochkonjunktur. Spätestens mit der Band „Real Life“, die 1983 den Pop-Welthit „Send me an Angel“ schmetterte, wünschen sich millionenfach Menschen engelhafte Weggefährten. Und mancher denkt dabei ganz im Sinne des Pophits auch an Marlene Dietrich, die selbiges Wesen bereits 1937 in einem Film verkörperte. Engel sind „in“ als Handschmeichler, als Postkartenmotive, als kleine Standfiguren auf heimischen Klavieren, als Schnee-Engel natürlich und unzählbar oft als Pop-Art Motive. Ein kleiner Test in einer Internetsuchmaschine allerdings erstaunte mich: ich bekam als Erstes ein Bild von Friedrich Engels geliefert, was aber – wie sich schnell herausstellte, an einem Tippfehler meinerseits lag.

Und nun also: Engel beherbergen. Mir fallen biblische Geschichten ein, in denen berichtet wird, was passierte, als Menschen Engel beherbergten, ohne dies zu ahnen. Drei Männer besuchten Abraham zur Mittagszeit und natürlich nimmt dieser diese drei als Gäste in sein Haus. Gastfreundschaft pur. Im Laufe des Smalltalks aber wird es ungeheuerlich, dem alten Mann wird gesagt, dass er bald Vater würde, was bei seiner ebenfalls hochbetagten Ehefrau Sara, die heimlich lauschte, zu Lachkrämpfen führte. Und obwohl die Geburt eines Kindes immer etwas sehr Schönes ist, hatten sich das weder Abraham noch Sara noch Hagar so vorgestellt. Nachzulesen in 1.Mo 18. Nur ein Kapitel weiter die erdrückend düstere und rätselhafte Geschichte von Sodom, die – nicht zu überlesen! – ausgerechnet mit Gastfreundschaft gegenüber zwei Engeln begann! Dann lieber doch keine Engel beherbergen, oder?

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Luther 2017)

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. (Einheitsübersetzung 2016)

Hebräer 11,1

four-leaf-clover-3336774_400-1Wie ist es mit dem Glauben? Was ist Glaube? Was glaubst du? Wie kann dein Glaube dich tragen? Wer von einem Menschen, der ohne religiösen Unterbau oder spirituellem Wissen sein Leben gestaltet, solche Fragen gestellt bekommt, weiß, wie schwer es ist, eine vernünftig klingende oder gar überzeugende Antwort zu geben. Erkläre mal jemanden, was es heißt, zu glauben, wenn die Person von sich sagt, dass sie nicht glaubt und offensichtlich auch ganz gut ohne Glauben leben kann. Wenn es also um die substantiellen Fragen geht, helfen keine platten Hilfskonstrukte mehr. Und nebenbei, ich kenne keinen, der mit mir ernsthaft über den Glauben im Gespräch war und dabei meinte, er glaube nur, was er sähe.

Gedanken am Anfang

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

Johannes 20, 21-22

bible-2167778_400Der Friedensgruß des Auferstandenen wird zum österlichen Erkennungszeichen. Hinein in eine chaotische Situation, hinein in eine von Trauer und Sorgen zerfetzte Gemeinde, hinein in mit Fragezeichen übersäte Biografien spricht der Auferstandene seinen Friedensgruß! Mir tut diese ganz besondere Christusbegegnung gut. Weil ich weiß, dass all das, was bei mir wund geschlagen und traurig ist, all das, was bei mir mit Bergen von zusammengefegten Fragezeichen und Zweifeln angehäuft ist, weil ich weiß, dass all das, was mein Innerstes bewegt und mich nicht zur Ruhe kommen lassen will, doch IHM bekannt und von IHM gesehen ist: „Mein Friede sei mit dir!“

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

bible-2167778_400Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.