Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Denkt daran, liebe Brüder und Schwestern: Jeder soll stets bereit sein zu hören, aber sich Zeit lassen, bevor er redet, und noch mehr, bevor er zornig wird.

Jakobus 1,19

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Es gibt Bibelworte, da weiß ich gar nicht, was ich noch ergänzend oder erläuternd schreiben könnte. Der Monatsspruch für Juli ist solch einer: Jeder soll stets bereit sein zu hören, aber sich Zeit lassen, bevor er redet, und noch mehr, bevor er zornig wird. Ein schöner, klar formulierter Dreischritt. Alles Selbstverständlichkeiten. Alles deutlich und verständlich. Jedoch ist es praktisch nicht immer so klar.

Wie so oft steckt bei näherem Betrachten die Tücke im Detail. Das fängt schon mit der Bereitschaft an, zuzuhören. Normalerweise lebt ein Gespräch ja vom wechselseitigen Hören und Reden. Redet nur eine beteiligte Person und eine andere muss nur hören, stockt das Gespräch bald. Sagen beide nichts, kommt gar kein Gespräch zustande. Reden beide zugleich – nun ja, dies ein Gespräch zu nennen, wäre übertrieben. Hören und Reden – und dies in dieser Reihenfolge – empfiehlt der Apostel den Menschen seiner Gemeinde, damit diese gut miteinander ins Gespräch kommen können.

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.

Sprüche 16,24

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Ganz sicher bin ich mir nicht, was Honigseim ist. Im Duden steht: „veraltet für ungeläuterten Honig, wie er aus den Waben abfließt“. Alles klar? Nein, mir noch nicht. Also weiter zu Wikipedia und da lerne ich: Blütennektar und Honigtau sind die Grundstoffe für den späteren Honig, der aus dem Seim gewonnen wird. Aha. Honigseim ist also das frische Produkt der Bienen, das Beste, was Natur und Bienen aufbieten.

So sollen unsere Reden sein. Im ersten Moment bin ich etwas irritiert. Sollen wir anderen also den sprichwörtlichen „Honig ums Maul schmieren“? Nein, sicher nicht. Wir sollen ja gar nichts. Dieser Spruch aus der weisheitlichen Literatur des Volkes Israel ist keine Handlungsanweisung, beinhaltet keinen Imperativ. Dieser Satz beschreibt etwas, nämlich die Folgen von etwas Gesagtem.

Welche Wirkungen unsere Worte haben können, wissen wir alle nur zu gut. Und mehrere biblische Verfasser setzen sich mit den gesprochenen Worten und ihren Wirkungen auseinander. Die Zunge als Sinnbild schneller Worte und auch unbedachter Wirkungen ist ebenso sprichwörtlich geworden. „Hüte deine Zunge!“, rufen wir jemanden zu, der allzu leichtfertig und unbedacht seine Worte in den Raum und anderen an den Kopf wirft. Der Apostel Jakobus wird in einem neutestamentlichen Schreiben ein ganzes Kapitel der Zunge widmen und den Wirkungen, die sie als Sprachorgan hervorrufen kann.

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.

2. Samuel 7,22

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Ich gebe zu, so richtig wusste ich nicht, was im 7. Kapitel des 2. Samuelbuches steht. Beim Aufschlagen der Bibel aber und dem Lesen der Überschrift war klar: den Text kenne ich. Eine rührende kleine Geschichte von König David, der Gott gern ein Haus bauen möchte, weil er als König doch so prachtvoll lebt, während „die Lade Gottes unter Decken haust“. Nathan, das für Davids Anliegen zuständige Sprachrohr Gottes – so ein Privatprofet hat schon was –, erläutert dem zielstrebig aufsteigenden und äußerst machtambitionierten König den Plan Gottes: Nicht er, David, solle den Tempel bauen, sondern dem ihn auf den Thron folgenden Sohn, sichtbarer Ausdruck der gegründeten Dynastie, würde diese Aufgabe zufallen. Dass dieser Sohn Frucht eines - aufgrund eines Ehebruchs begangenen - Mordes sein würde, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Überhaupt scheint Davids Welt noch in Ordnung. Die die Großfamilie Davids einholenden selbstverantworteten katastrophalen Ereignisse, die sich wie ein moderner Thriller lesen und alle Spielarten von Intrigen beinhalten und selbst vor inzestuöser Vergewaltigung und Mord nicht zurückschrecken, scheinen zu diesem Zeitpunkt undenkbar. David trägt die Absage seiner Baupläne mit Fassung. Vielleicht war er sogar erleichtert, dass diese unendlich große Aufgabe mit all ihren Herausforderungen ihm erspart blieb. Mit all den vielen hinter und noch vor ihm liegenden Kriegen hatte er ja auch wahrlich genug um die Ohren.

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

joomplu:916Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.