Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

Hesekiel 37,27

Für mich gehört sie mit zu den größten Visionen des ersten Bundes. Ein Mensch sieht etwas so Unvorstellbares, dass er es nicht Worte bringen kann und als er es doch versucht, diese spröde und trocken klingen. Die Kraft aber ist unglaublich. Sie ist so groß, dass die letzte große Zukunftsschau der Bibel – das Zelten Gottes mitten unter uns Menschen – unmittelbar mit dieser des Hesekiel verknüpft ist. Weit über die Zeit des ersten Bundes Gottes mit den Menschen hinausgehend sieht Hesekiel etwas, das immer wieder und damit zeitlos unmöglich scheint: Totes wiederersteht.

Diese Vision des Hesekiel ist nicht nur deshalb so einmalig und gewaltig, weil sie wegbereitend ist für die letzte große Schau des Sehers Johannes, der eine neue Erde und einen neuen Himmel kommen sieht und damit eine neue Schöpfung in Aussicht stellt, sondern sie ist vielmehr gerade deswegen so spektakulär, weil sie an die ersten Seiten der Bibel anknüpft und nichts anders als das Wiederholen des gewaltigsten Schöpfungsaktes beschreibt: Gott schafft Leben.

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10

Warum eigentlich ausgerechnet Freude vor den Engeln Gottes? Ich lese diesen Vers, der Monatsspruch für Oktober ist, mit Verwunderung. Ein Mensch tut Buße, und Freude ist bei den Engeln Gottes. Wieso? Warum ist es Jesus so wichtig, das zu betonen? Oder ist das der einzige Ort der Freude, weil wir Menschen uns schon gar nicht mehr freuen können darüber, dass ein Mensch Buße tut? Vielleicht, weil wir es so selten miterleben? Weil Menschen heutzutage gar nicht mehr umkehren?

Ich bin in einem gemeindlichen Umfeld aufgewachsen, in dem eine „richtige“ Bekehrung Bedingung und Anfang für das Glaubensleben war. „Bist du bekehrt?“ und „Wann hast du dich bekehrt?“ waren biografische Schlüsselfragen. Die Kehrseite dieser Betonung war, dass viele meiner Altersgenossen ebenso wie ich genau das Datum ihrer Bekehrung kannten, bei so manchen aber diese doch nur Produkt des Druckes war. Zu Recht finde ich, wurde immer mehr solcher Druck aus der persönlichen Entscheidungsfindung herausgenommen. Die Kehrseite: wir erleben kaum noch mit, wenn Menschen sich für Jesus entscheiden. Glaube wird mehr und mehr zur Privatsache, und manchmal auch beliebig. Und ich frage mich, ob wir nicht in der Gefahr stehen, auf der anderen Seite vom sprichwörtlichen Pferd zu fallen?